
Bitcoin-Mining-Unternehmen Core Scientific gab am Donnerstag bekannt, dass es die erste Tranche eines von Morgan Stanley geführten Kreditvertrags über 500 Millionen US-Dollar mit einer Laufzeit von 364 Tagen abgeschlossen hat und sich das Recht vorbehalten hat, die Gesamtkapazität auf 1 Milliarde US-Dollar zu erhöhen. Die Mittel sollen dazu verwendet werden, die bestehenden Bergbaustationen in AI-Dichte-Rechenzentren umzubauen. Das Unternehmen plant, bis 2026 fast alle Bitcoin-Reserven zu veräußern, im Januar wurden über 1.900 Coins verkauft.
(Quelle: Core Scientific)
Dieses Finanzierungsangebot enthält eine Erhöhungsklausel, die es Core Scientific ermöglicht, auf der Basis der initialen 500 Millionen US-Dollar zusätzlich bis zu 500 Millionen US-Dollar aufzunehmen, sodass die potenzielle Gesamtkapazität 1 Milliarde US-Dollar erreicht. Die Verwendung der Mittel ist klar festgelegt:
Immobilien und Vorentwicklung: Erwerb von Immobilien im Zusammenhang mit den Anlagen und Übernahme der Vorentwicklungskosten für Umbauten
Energieverträge: Abschluss zusätzlicher Energieversorgungsverträge zur Unterstützung der AI-Rechenlasten
Infrastrukturumbau: Beschaffung von Geräten, um bestehende Bergbaustationen in Texas, Georgia und North Carolina in Hochdichte-Rechenzentren umzuwandeln
CEO Adam Sullivan sagte: „Dies stärkt unsere Liquidität und finanzielle Flexibilität, sodass wir Kapital entschlossen einsetzen können, um die Projekte schneller in Betrieb zu nehmen und uns als attraktiveren Infrastruktur-Anbieter für Kunden zu positionieren.“
Der Wandel bei Core Scientific zeigt sich deutlich in der raschen Reduktion der Bitcoin-Bestände. Bis zum 31. Dezember 2025 hielt das Unternehmen 2.537 Bitcoin, mit einem Buchwert von etwa 222 Millionen US-Dollar, deutlich mehr als die 256 Coins zum Ende 2024. Dies deutet darauf hin, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr seine Bitcoin-Reserven stark aufgestockt hat. Doch ab 2026 vollzog sich eine Kehrtwende – im Januar wurden über 1.900 Bitcoin verkauft, was etwa 175 Millionen US-Dollar einbrachte. Derzeit sind noch etwa 630 Coins im Bestand.
Adam Sullivan gab in der Telefonkonferenz zum Quartalsabschluss offen zu, dass das Bitcoin-Mining „im Wesentlichen stillgelegt“ sei. Der Hauptzweck des Betriebs sei es, die Mindeststromlieferung zu erfüllen, nicht die Mining-Erträge zu maximieren.
Diese Finanzierungsrunde von Morgan Stanley ist ein weiteres Beispiel dafür, wie große traditionelle Finanzinstitute zunehmend in die Umwandlung von Krypto-Mining-Unternehmen in AI-Datenzentren investieren. Die vorhandenen Energieverträge, Landressourcen und Anlagen der Bitcoin-Miner überschneiden sich stark mit den Infrastrukturbedürfnissen von AI-Hochdichte-Rechenzentren, was den Minern eine strukturelle Vorteilhaftigkeit beim schnellen Einstieg in den AI-Rechenleistungswettbewerb verschafft.
SOFR (Secured Overnight Financing Rate) ist der wichtigste kurzfristige Referenzzinssatz in den USA. Plus 250 Basispunkte (2,5%) bedeutet, dass bei einem SOFR von etwa 4,3% der tatsächliche Kreditzinssatz bei etwa 6,8% liegt. Dies entspricht dem Marktniveau für Unternehmensfinanzierungen im Rahmen der Transformation, was die Kreditkosten für solche Infrastrukturprojekte widerspiegelt.
Nach der Bitcoin-Halbierung sind die Mining-Erträge deutlich gesunken, während die potenziellen Gewinne aus AI-Datenzentren deutlich höher sind. Der Verkauf der Bitcoin-Reserven liefert schnell das Kapital für die Transformation. Zusammen mit den von Morgan Stanley bereitgestellten Krediten entsteht eine doppelte Finanzierungsquelle, die den Ausbau der AI-Infrastruktur beschleunigt.
Hauptsächliche Risiken sind: die Konkurrenz durch etablierte Betreiber wie Equinix und Digital Realty; zyklische Schwankungen bei der Nachfrage nach AI-Rechenleistung; sowie die zusätzlichen technischen und finanziellen Investitionen, um bestehende Anlagen in Hochdichte-Rechenzentren umzubauen. Ob die Umstellung innerhalb des geplanten Zeitrahmens gelingt und Kundenaufträge gewonnen werden, ist entscheidend für den Erfolg der Transformation.