Polymarket gibt es eine Adresse, die keine Wette auf eine Richtung macht, keine Orders kopiert, sondern alle Minute 34 Orders platziert, rund um die Uhr. Insgesamt hat sie mehr als 1,13 Millionen US-Dollar Gewinn erzielt.
Ich habe die 3.379 Transaktionen innerhalb der Spitzenzeit von 100 Minuten analysiert, um zu zeigen, was ein professioneller Market-Maker-Bot macht, wie er Geld verdient und wo er Verluste macht. Du kannst direkt die Homepage dieses Bots ansehen und mitlesen.
Diese Adresse (0x1979…7c9d) hält während der Hochphase gleichzeitig 100 Positionen, deckt die Kryptowährungen BTC, ETH, SOL, XRP ab, und arbeitet in Zeitrahmen von 5 Minuten bis 4 Stunden.
Das eingesetzte Kapital beträgt etwa 67.000 USD.
Wichtigstes Merkmal: 100 % Kauforders, 0 % Verkaufsorders.
Warten, nur kaufen, wie macht man damit Gewinn? Später mehr.
Innerhalb von 100 Minuten wurden 3.379 Transaktionen durchgeführt, durchschnittlich 34 pro Minute.
Heatmap der Handelsfrequenz
Einige intuitive Erkenntnisse:
Hier handelt es sich nicht um Händler, die auf Signale reagieren, sondern um Market-Making, das kontinuierlich Orders im Orderbuch hält.
Wenn es sich um signalgesteuerte Trader handelt, wären die Eintrittszeiten zufällig. Der Bot zeigt jedoch eine andere Verteilung:
1h-Eintrittszeit-Diagramm mit Doppelgipfel
Zwei klare Spitzen:
Der Mittelbereich ist gleichmäßig zwischen 7-8,5 % verteilt.
Bei 4h-Märkten ist es noch extremer: 36 % der Trades vor der Eröffnung in den letzten 10 %.
Der Kernwettbewerb im Market-Making ist nicht „Vorhersagegenauigkeit“, sondern „Vorne sein“.
Nicht alle Kryptowährungen sind profitabel.
Profit und Verlust bei verschiedenen Coins
BTC ist das gefährlichste Asset für Market-Maker. Bei einer 1h-Kerze wurde ein Verlust von 1.988 USD gemacht, weil die Positionsgröße zu groß war (20.138 Shares). Bei starker Volatilität kann der adverse selection direkt die Gewinne auffressen.
Auch die Zeitrahmen unterscheiden sich deutlich:
Profitabilität nach Zeitrahmen
4h bietet die höchste Gewinnrate, 100 % profitabel. Aber nur 5,7 % des Handelsvolumens entfällt auf diesen Rahmen. Das Dilemma: Höhere Frequenz bedeutet mehr Wettbewerb, niedrigere Frequenz bedeutet weniger Volumen.
Viele denken, Market-Making sei „sicherer Gewinn“. Die Daten sagen etwas anderes.
PnL-Entwicklung
Am Abend des 21. Februar, bei starker BTC-Volatilität, wechselte das PnL des Bots von positiv zu -960 USD.
Am nächsten Morgen erholte es sich auf +947 USD.
Das zeigt die „Selbstheilungskraft“ des Market-Making: Solange die Spread-Struktur nicht dauerhaft zerstört wird, können die späteren normalen Spread-Gewinne die Verluste ausgleichen.
Voraussetzung ist, dass man den Drawdown aushält.
Vertiefende Daten zeigen: Der Bot ist kein reiner Bid-Ask-Maker, sondern verfolgt in Echtzeit Binance-Preise, um die Kauf-/Verkaufsverhältnisse anzupassen.
Ich habe minütlich die Up/Down-Käufe des Bots mit Binance-Preisen verglichen und einige Annahmen ausgeschlossen:
Signalquelle bestätigt
Der Bot nutzt Mikrosignale (Binance-Preise vs. Kerzeneröffnung), kein Trend-Follow. Die Validierung:
Das bedeutet, er kombiniert Market-Making mit Richtungsentscheidungen. „Teuer kaufen“ ist kein adverse selection, sondern aktive Wahl.
Das erklärt auch, warum er bei großen BTC-Schocks mehr Verluste macht: falsche Richtungserkennung + Bias = größere Einseitigkeit.
Bilateral Market-Making-Schema
Auf Polymarket gibt es zwei Token: UP (YES) und DOWN (NO). Der Market-Maker kauft beide:
Deshalb sind alle Transaktionen im Record „100 % kaufen“ – weil auf beiden Seiten gekauft wird, der Gewinn ist die Differenz von 4 Cent.
Drei zusätzliche Vorteile:
Bis zum 6. März ist dieser Bot nicht mehr aktiv.
Aktivitätszeitraum vs. heute
Letzte Aktion war eine große REDEEM-Transaktion (130 Stück) – Massenabwicklung und Exit.
Das All-Time-PnL zeigt aber: Insgesamt über 1,13 Mio. USD Gewinn.
67.000 USD Einsatz haben über 1,1 Mio. USD Gewinn eingebracht. Das ist der Zinseszinseffekt des Market-Making: Nicht eine große einzelne Gewinntransaktion, sondern 34 Orders pro Minute, wenige Dollar pro Order, Tag für Tag.
Warum er aufgehört hat – unklar. Vielleicht Strategieänderung, vielleicht Adresswechsel, oder Polymarket hat kürzlich die Latenzregeln geändert (Entfernung der 500ms-Verzögerung, was viele Bots lahmlegte). On-Chain-Daten zeigen nur das Verhalten, nicht die Entscheidungen.
Datenbasis: 3.379 Transaktionen / 100 Minuten Sampling + Positions-API-Snapshot (21.02.2026) + neueste API-Daten (06.03.2026)