Vom 67.000 USD Kapital auf 1,13 Mio.: Eine Analyse von 3.379 Transaktionen eines Polymarket-Markt-Maker-Bots

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Polymarket gibt es eine Adresse, die keine Wette auf eine Richtung macht, keine Orders kopiert, sondern alle Minute 34 Orders platziert, rund um die Uhr. Insgesamt hat sie mehr als 1,13 Millionen US-Dollar Gewinn erzielt.

Ich habe die 3.379 Transaktionen innerhalb der Spitzenzeit von 100 Minuten analysiert, um zu zeigen, was ein professioneller Market-Maker-Bot macht, wie er Geld verdient und wo er Verluste macht. Du kannst direkt die Homepage dieses Bots ansehen und mitlesen.

Grundinformationen zum Bot

Diese Adresse (0x1979…7c9d) hält während der Hochphase gleichzeitig 100 Positionen, deckt die Kryptowährungen BTC, ETH, SOL, XRP ab, und arbeitet in Zeitrahmen von 5 Minuten bis 4 Stunden.

Das eingesetzte Kapital beträgt etwa 67.000 USD.

Wichtigstes Merkmal: 100 % Kauforders, 0 % Verkaufsorders.

Warten, nur kaufen, wie macht man damit Gewinn? Später mehr.

Handelsfrequenz: Nicht nur Orders platzieren, sondern „Wände aufbauen“

Innerhalb von 100 Minuten wurden 3.379 Transaktionen durchgeführt, durchschnittlich 34 pro Minute.

Heatmap der Handelsfrequenz

Einige intuitive Erkenntnisse:

  • ETH in 1h ist der Haupttreiber (737 Transaktionen), die größte Menge bei einer einzelnen Kryptowährung
  • BTC in 15m folgt (595 Transaktionen), hochfrequente Pflege
  • XRP in 5m ist komplett leer (0 Transaktionen), zeigt, dass der Bot bei Liquidität die Wahl trifft, auf bestimmte Märkte zu verzichten
  • Innerhalb eines 10-Sekunden-Fensters laufen oft 3-4 Zeitrahmen gleichzeitig

Hier handelt es sich nicht um Händler, die auf Signale reagieren, sondern um Market-Making, das kontinuierlich Orders im Orderbuch hält.

Eintrittszeiten: Doppelgipfel-Verteilung offenbart Market-Making-Logik

Wenn es sich um signalgesteuerte Trader handelt, wären die Eintrittszeiten zufällig. Der Bot zeigt jedoch eine andere Verteilung:

1h-Eintrittszeit-Diagramm mit Doppelgipfel

Zwei klare Spitzen:

  • 0-10 % nach Markteröffnung: 11,6 % (um die Queue-Priorität zu sichern, vorne im Orderbuch)
  • 90-100 % vor Schluss: 15,6 % (vor Candle-Schluss, Orders aktualisieren)

Der Mittelbereich ist gleichmäßig zwischen 7-8,5 % verteilt.

Bei 4h-Märkten ist es noch extremer: 36 % der Trades vor der Eröffnung in den letzten 10 %.

Der Kernwettbewerb im Market-Making ist nicht „Vorhersagegenauigkeit“, sondern „Vorne sein“.

Gewinnbringende und verlustreiche Coins

Nicht alle Kryptowährungen sind profitabel.

Profit und Verlust bei verschiedenen Coins

BTC ist das gefährlichste Asset für Market-Maker. Bei einer 1h-Kerze wurde ein Verlust von 1.988 USD gemacht, weil die Positionsgröße zu groß war (20.138 Shares). Bei starker Volatilität kann der adverse selection direkt die Gewinne auffressen.

Auch die Zeitrahmen unterscheiden sich deutlich:

Profitabilität nach Zeitrahmen

4h bietet die höchste Gewinnrate, 100 % profitabel. Aber nur 5,7 % des Handelsvolumens entfällt auf diesen Rahmen. Das Dilemma: Höhere Frequenz bedeutet mehr Wettbewerb, niedrigere Frequenz bedeutet weniger Volumen.

Market-Making ist nicht risikofrei

Viele denken, Market-Making sei „sicherer Gewinn“. Die Daten sagen etwas anderes.

PnL-Entwicklung

Am Abend des 21. Februar, bei starker BTC-Volatilität, wechselte das PnL des Bots von positiv zu -960 USD.

Am nächsten Morgen erholte es sich auf +947 USD.

Das zeigt die „Selbstheilungskraft“ des Market-Making: Solange die Spread-Struktur nicht dauerhaft zerstört wird, können die späteren normalen Spread-Gewinne die Verluste ausgleichen.

Voraussetzung ist, dass man den Drawdown aushält.

Es ist kein reines Market-Making: Signale für Richtung erkennen

Vertiefende Daten zeigen: Der Bot ist kein reiner Bid-Ask-Maker, sondern verfolgt in Echtzeit Binance-Preise, um die Kauf-/Verkaufsverhältnisse anzupassen.

Ich habe minütlich die Up/Down-Käufe des Bots mit Binance-Preisen verglichen und einige Annahmen ausgeschlossen:

Signalquelle bestätigt

Der Bot nutzt Mikrosignale (Binance-Preise vs. Kerzeneröffnung), kein Trend-Follow. Die Validierung:

  • Richtungskorrelation 74 %
  • Richtungsgenauigkeit 77 %
  • Kauf auf der teureren Seite immer mehr (immer mehr Käufe auf der Seite, die voraussichtlich gewinnt)
  • 1h-Momentum 71 %, 15m-Momentum 74 %

Das bedeutet, er kombiniert Market-Making mit Richtungsentscheidungen. „Teuer kaufen“ ist kein adverse selection, sondern aktive Wahl.

Das erklärt auch, warum er bei großen BTC-Schocks mehr Verluste macht: falsche Richtungserkennung + Bias = größere Einseitigkeit.

Market-Making-Mechanismus: Warum sind 100 % Käufe?

Bilateral Market-Making-Schema

Auf Polymarket gibt es zwei Token: UP (YES) und DOWN (NO). Der Market-Maker kauft beide:

  • UP für 0,48 USD + DOWN für 0,48 USD = Kosten 0,96 USD
  • Egal, ob steigt oder fällt, die Gewinnerseite zahlt 1,00 USD
  • Gewinn pro Paar = 1,00 USD – 0,96 USD = 0,04 USD

Deshalb sind alle Transaktionen im Record „100 % kaufen“ – weil auf beiden Seiten gekauft wird, der Gewinn ist die Differenz von 4 Cent.

Drei zusätzliche Vorteile:

  • Maker-Gebühr 0 % (Taker zahlt 1,5-2 %)
  • Maker-Rebate: Volumenabhängige Rückvergütung (die letzte Rebate war 145 USD)
  • Queue-Priorität: Hochfrequente Orders werden vorne im Orderbuch platziert, höhere Abschlusswahrscheinlichkeit

Nachfolge: Bot ist eingestellt

Bis zum 6. März ist dieser Bot nicht mehr aktiv.

Aktivitätszeitraum vs. heute

Letzte Aktion war eine große REDEEM-Transaktion (130 Stück) – Massenabwicklung und Exit.

Das All-Time-PnL zeigt aber: Insgesamt über 1,13 Mio. USD Gewinn.

67.000 USD Einsatz haben über 1,1 Mio. USD Gewinn eingebracht. Das ist der Zinseszinseffekt des Market-Making: Nicht eine große einzelne Gewinntransaktion, sondern 34 Orders pro Minute, wenige Dollar pro Order, Tag für Tag.

Warum er aufgehört hat – unklar. Vielleicht Strategieänderung, vielleicht Adresswechsel, oder Polymarket hat kürzlich die Latenzregeln geändert (Entfernung der 500ms-Verzögerung, was viele Bots lahmlegte). On-Chain-Daten zeigen nur das Verhalten, nicht die Entscheidungen.

Zusammenfassung

  1. Market-Making ist kein Wetten auf die Richtung, sondern auf die Spread. 100 % kaufen, weil auf beiden Seiten gekauft wird.
  2. Nicht alle Assets sind profitabel. ETH und SOL machen Gewinn, BTC verliert. Die Asset-Auswahl ist die Kernkompetenz.
  3. Market-Making ist nicht risikofrei. Ein einzelner 1h-BTC-Kerzenstab kann 2.000 USD Verlust bringen, aber es gibt eine Selbstheilung.
  4. Frequenz ist die Wettbewerbsfähigkeit. Queue-Priorität entscheidet, wie gut man abschneidet. Hochfrequenz ist Infrastruktur, keine Strategie.
  5. Reines Market-Making hat eine Obergrenze. Signale wie Binance-Preise können die ROI verbessern, aber auch Verluste bei falscher Richtung verstärken.

Datenbasis: 3.379 Transaktionen / 100 Minuten Sampling + Positions-API-Snapshot (21.02.2026) + neueste API-Daten (06.03.2026)

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