Verpacken Sie Hochrisikoinvestitionen nicht länger als Stablecoins.

DeepFlowTech

Die Welt der Stablecoins ist niemals ohne Geschichten, sondern es mangelt an Respekt vor Risiken. Im November kam es wieder zu einem Vorfall.

Ein sogenannter „Stablecoin“ namens xUSD stürzte am 4. November abrupt ab, fiel von 1 US-Dollar auf 0,26 US-Dollar. Bis heute sinkt er weiter und ist auf 0,12 US-Dollar gefallen, was einem Verlust von 88 % seiner Marktkapitalisierung entspricht.

Bildquelle: Coingecko

Betroffen ist ein Star-Projekt, das 500 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten verwaltet: Stream Finance.

Sie haben ihre risikoreiche Anlagestrategie als dividendenstabilen Coin xUSD verpackt, der angeblich „an den US-Dollar gekoppelt ist und automatisch Zinsen generiert“. Im Kern ist es eine Verpackung der Renditen ihrer Finanzstrategie. Doch wenn es um Finanzstrategien geht, kann man keine dauerhafte Gewinnsicherung garantieren. Am 11. Oktober, während des großen Einbruchs auf dem Kryptomarkt, versagten ihre Off-Chain-Handelsstrategien, was zu Verlusten von 93 Millionen US-Dollar führte – umgerechnet etwa 6,6 Milliarden RMB. Dieses Geld würde in Beijing mehr als vierzig 100-Quadratmeter-Wohnungen im zweiten Ring kaufen.

Einen Monat später kündigte Stream Finance die Aussetzung aller Ein- und Auszahlungen an, und der xUSD-Preis entkoppelte sich.

Die Panik breitete sich schnell aus. Laut Daten des Forschungsinstituts stablewatch flohen innerhalb einer Woche über 1 Milliarde US-Dollar aus verschiedenen „Dividenden-Stablecoins“. Das entspricht den gesamten Einlagen einer mittelgroßen Geschäftsbank in einer Stadt, die innerhalb von 7 Tagen abgezogen wurden.

Der gesamte DeFi-Investmentmarkt schlug Alarm. In einigen Protokollen erreichten die Kreditkosten sogar erstaunliche -752 %, was bedeutet, dass Sicherheiten wertlos wurden und niemand mehr zurückzahlen oder sie einlösen wollte. Der Markt geriet in Chaos.

All dies basiert auf einem scheinbar guten Versprechen: Stabilität und hohe Zinsen.

Wenn die Illusion der „Stabilität“ durch eine große Kerze durchbrochen wird, müssen wir neu bewerten, welche Stablecoins wirklich stabil sind und welche nur eine Fassade für riskante Finanzprodukte sind. Und warum dürfen diese riskanten Finanzprodukte sich noch immer „Stablecoins“ nennen?

Der Kaiser trägt keine Kleider

In der Finanzwelt verbergen sich hinter den schönsten Masken oft die schärfsten Zähne. Stream Finance und sein Stablecoin xUSD sind ein typisches Beispiel.

Sie behaupten, xUSD verwende eine „Delta-Neutral-Strategie“. Das ist ein komplexer Begriff aus dem professionellen Trading, der darauf abzielt, Marktschwankungen durch eine Reihe komplexer Finanzinstrumente abzusichern. Das klingt sehr sicher und professionell. Das Projekt erzählt die Geschichte, dass Nutzer unabhängig von Marktbewegungen stabile Erträge erzielen können.

Innerhalb weniger Monate flossen bis zu 500 Millionen US-Dollar an Kapital ein. Doch bei genauerer Betrachtung, so Chain-Analysten, weist das tatsächliche Betriebsmodell von xUSD gravierende Schwachstellen auf.

Erstens ist die Transparenz äußerst gering. Von den behaupteten 500 Millionen US-Dollar Vermögen sind weniger als 30 % auf der Blockchain nachweisbar. Die restlichen 3,5 Milliarden US-Dollar in der „Schrödingerschen“ Unbekannten, die im Verborgenen operieren. Niemand weiß, was in diesem schwarzen Kasten vor sich geht, bis es zu einem Zusammenbruch kommt.

Zweitens ist die Hebelwirkung erstaunlich hoch. Das Projekt nutzt nur 170 Millionen US-Dollar echte Vermögenswerte, um durch wiederholtes Verpfänden und Leihen in anderen DeFi-Protokollen eine Kreditlinie von bis zu 530 Millionen US-Dollar zu schaffen. Die tatsächliche Hebelwirkung liegt bei über 4.

Was bedeutet das? Man glaubt, eine stabil an den „digitalen Dollar“ gekoppelte Anlage zu besitzen, mit jährlichen Zinsen von mehreren Prozent. Tatsächlich besitzt man aber Anteile an einem Hebel-Absicherungsfonds mit einem 4-fachen Hebel, von dem 70 % der Positionen für den Nutzer unsichtbar sind.

Das „Stabilitäts“-Versprechen verbirgt in Wirklichkeit, dass das Geld in einem hochfrequenten Handel im größten digitalen Casino der Welt unterwegs ist.

Hier liegt die größte Gefahr solcher „Stablecoins“. Sie tragen das Label „Stabilität“, verbergen aber die Natur eines Hedgefonds. Sie versprechen den normalen Anlegern Sicherheit wie bei einer Bank, operieren aber im Hintergrund mit hochriskanten Strategien, die nur professionelle Trader beherrschen.

Deddy Lavid, CEO des Blockchain-Sicherheitsunternehmens Cyvers, kommentierte nach dem Vorfall: „Selbst wenn das Protokoll selbst sicher ist, sind externe Fondsmanager, Off-Chain-Depotführung und menschliche Überwachung die entscheidenden Schwachstellen. Der Zusammenbruch von Stream ist kein Code-Problem, sondern ein Menschen-Problem.“

Diese Einschätzung trifft den Kern. Das Problem bei Stream Finance liegt darin, dass das Projekt eine äußerst komplexe, hochriskante und kaum regulierte Finanzwelt als „normales“ Produkt verpackt hat, das auch Laien leicht nutzen können.

Dominoeffekt

Wenn Stream Finance eine Bombe gezündet hat, dann sind die DeFi-Kreditprodukte wie Curator die Kurierfahrer dieser Bombe, die letztlich eine Kettenreaktion auslösten.

In neuen Protokollen wie Morpho und Euler übernehmen Curator die Rolle von „Fund-Managern“. Sie sind meist professionelle Investmentteams, die komplexe DeFi-Strategien in „Strategie-Goldtresore“ verpacken, damit normale Nutzer wie bei einer Bank-App mit einem Klick investieren und Erträge genießen können. Ihr Hauptverdienst besteht darin, einen Anteil an den Erträgen der Nutzer zu kassieren.

Theoretisch sollten sie als Risikowächter fungieren, die hochwertige Vermögenswerte filtern. Doch das Geschäftsmodell der Performance-Gebühren fördert die Suche nach Hochrisiko-Assets. Denn in einem extrem umkämpften Markt wie DeFi bedeutet eine höhere jährliche Rendite mehr Nutzer und Kapital, was wiederum mehr Performance-Gebühren bringt.

Als das „stabile und hochrentable“ Asset von Stream Finance auftauchte, wurde es sofort für viele Curator attraktiv.

Im Verlauf des Vorfalls bei Stream Finance zeigte sich das Worst-Case-Szenario. Chain-Analysen offenbarten, dass bekannte Curator wie MEV Capital, Re7 Labs und TelosC große Mengen ihrer verwalteten Gelder in den riskanten xUSD investiert hatten. TelosC allein hatte eine Risikoexposition von 123 Millionen US-Dollar.

Noch wichtiger ist, dass diese Investitionen kein Versehen waren. Beweise deuten darauf hin, dass bereits Tage vor dem Zusammenbruch mehrere Branchen-Influencer und Analysten auf Social Media vor den Transparenz- und Hebelrisiken von xUSD gewarnt hatten. Doch die verantwortlichen Curator, die eigentlich das Risiko im Blick haben sollten, haben diese Warnungen ignoriert.

Einige Curator sind selbst Opfer dieses Verpackungstricks. K3 Capital gehört dazu. Dieser Curator verwaltet auf Euler mehrere Millionen US-Dollar und verlor im Zuge der Explosion 2 Millionen US-Dollar.

Am 7. November äußerte sich der Gründer von K3 öffentlich im Discord-Channel von Euler und berichtete, wie sie betrogen wurden.

Bildquelle: Discord

Die Geschichte beginnt bei einem anderen „Stablecoin“-Projekt. Elixir ist ein Projekt, das den dividendenstabilen Coin deUSD herausgibt. Es behauptet, eine „Basis-Spread-Handelsstrategie“ zu verwenden. K3 hatte genau auf dieses Versprechen vertraut und deshalb einen Teil seines Vermögens in deUSD investiert.

Doch Ende Oktober änderte Elixir ohne Zustimmung der Curator einseitig die Anlagestrategie. Statt in Basis-Spread-Handel zu investieren, lieh es etwa 68 Millionen USDC an Stream Finance – weg vom ursprünglichen Ansatz, hin zu einer verschachtelten Finanzstrategie.

Diese beiden Produkte sind grundverschieden. Basis-Spread-Handel ist eine direkte Investition in eine bestimmte Strategie, mit relativ kontrollierbarem Risiko. Verschachtelte Finanzprodukte hingegen leihen Geld an andere Finanzprodukte, was eine zusätzliche Risikolage bedeutet.

Als Stream am 3. November seine Ausfälle öffentlich machte, kontaktierte K3 sofort den Gründer von Elixir, Philip Forte, und forderte eine 1:1-Abwicklung von deUSD. Doch Forte schwieg. Am 4. November musste K3 notgedrungen deUSD liquidieren, was 2 Millionen US-Dollar in der Tasche ließ. Am 6. November erklärte Elixir, zahlungsunfähig zu sein. Die Lösung: Retail-Investoren und Liquiditätspools können deUSD zu 1:1 in USDC umwandeln, aber die deUSD in den Curator-Goldtresoren werden nicht ausgezahlt, sondern nur eine gemeinsame Lösung gesucht.

K3 hat inzwischen einen Top-US-Anwalt engagiert, um Elixir und Forte wegen unrechtmäßiger Vertragsänderungen, falscher Werbung und Schadensersatzforderungen zu verklagen und die Rückführung von deUSD in USDC zu erzwingen.

Wenn die Gatekeeper selbst Risiken verkaufen, ist der Zusammenbruch nur noch eine Frage der Zeit. Und wenn die Gatekeeper selbst betrogen werden, wem kann man dann noch vertrauen, um die Nutzer zu schützen?

Neues Gewand, gleiche Gefahr

Dieses Muster des „Verpackens – Verbreitens – Zusammenbruchs“ ist in der Finanzgeschichte allzu bekannt.

Ob es der Fall Luna im Jahr 2022 ist, der innerhalb von 72 Stunden 40 Milliarden US-Dollar vernichtete, weil eine „algorithmische Stabilität“ mit 20 % Jahresrendite versprochen wurde, oder die frühere Finanzkrise 2008, bei der Wall-Street-Profis eine Vielzahl riskanter Subprime-Hypotheken durch komplexe Finanzprodukte in AAA-„Qualitätsanleihen“ verpackten und damit die globale Finanzkrise auslösten. Im Kern ist alles gleich: Hochrisikoreiche Vermögenswerte werden komplex verpackt, um sie wie risikoarme Produkte erscheinen zu lassen, und dann an ahnungslose Investoren verkauft.

Von der Wall Street bis DeFi, von CDOs bis zu „Dividenden-Stablecoins“ – die Technik ändert sich, die Namen auch, aber die menschliche Gier bleibt gleich.

Laut Branchenzahlen gibt es noch immer über 50 ähnliche Dividenden-Stablecoin-Projekte im DeFi-Markt mit einem Gesamt-Total Value Locked (TVL) von über 8 Milliarden US-Dollar. Die meisten verwenden komplexe Finanztechniken, um Hochhebel- und Hochrisiko-Strategien als stabile und hochverzinste Anlageprodukte zu tarnen.

Bildquelle: stablewatch

Das Problem liegt darin, dass wir diesen Produkten einen falschen Namen geben. „Stablecoin“ weckt eine Illusion von Sicherheit und betäubt vor Risiken. Wenn Menschen an Stablecoins denken, denken sie an USDC, USDT und ähnliche US-Dollar-Reserven, nicht an gehebelte Hedgefonds.

Ein Gerichtsverfahren kann keinen Markt retten, aber es kann ihn wachrütteln. Wenn die Flut zurückgeht, sollten wir nicht nur die nackten Schwimmer sehen, sondern auch diejenigen, die von Anfang an keine Schwimmhose tragen wollten.

80 Milliarden US-Dollar, 50 Projekte – der nächste Stream kann jederzeit auftauchen. Vorher gilt es, eine einfache Regel im Kopf zu behalten: Wenn ein Produkt mit extrem hohen jährlichen Renditen lockt, ist es höchstwahrscheinlich instabil.

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