Am 9. März wurde bekannt, dass sich die Prognosemarktbranche schnell ausweitet, wobei Geschäftsmodelle und regulatorische Grenzen zunehmend in den Fokus rücken. Shayne Coplan, Gründer und CEO der Prognoseplattform Polymarket, sagte auf der MIT Sloan Sports Analytics Conference 2026, dass das Wachstum von Unternehmensgröße und Einfluss neue Herausforderungen mit sich bringe, insbesondere bei Prognosemärkten im Zusammenhang mit Geopolitik und Krieg.
Coplan erklärte, dass mit der Erweiterung der Plattform und der Zunahme der Nutzer die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit steigt. „Je reicher wir werden, desto mehr wird man uns vorwerfen.“ Er wies darauf hin, dass Transaktionen auf Prognosemärkten bei sensiblen Themen wie Krieg leicht Kontroversen auslösen können, gleichzeitig aber auch einen Informationswert für die Öffentlichkeit bieten. Er beschrieb die aktuelle Lage im Nahen Osten als „äußerst komplex“ und sagte, „der Kriegsmantel der Verwirrung verstärkt oft Missverständnisse“.
Daten zeigen, dass geopolitische Ereignisse kürzlich das Handelsvolumen auf Prognosemärkten deutlich angetrieben haben. Laut Dune Analytics erreichte das Wetten der Nutzer auf Polymarket im Zeitraum bis zum 1. März für geopolitische Ereignisse etwa 425,4 Millionen US-Dollar, während es in der Vorwoche nur 163,9 Millionen US-Dollar waren – ein deutlicher Anstieg in kurzer Zeit.
Coplan verteidigte die Rolle der Plattform bei Kriegsvorhersagen. Er sagte, einige Nutzer im Nahen Osten würden Wahrscheinlichkeitsdaten der Plattform nutzen, um Sicherheitsrisiken einzuschätzen, etwa ob sie in der Nähe von Luftschutzanlagen ruhen sollten. Diese Anwendung zeige das potenzielle Wertangebot von Prognosemärkten bei der Informationsbeschaffung, nicht nur bei Unterhaltungswetten.
Allerdings befinden sich kriegsbezogene Verträge auch im rechtlichen Graubereich. Das US-Regulierungssystem ist allgemein vorsichtig bei Kriegfinanzierungskontrakten, weshalb einige Prognosemarktplattformen ihre Geschäfte ins Ausland verlagern. Gleichzeitig expandiert die Branche weiterhin rasant und zieht große Kapitalmengen an.
Laut Marktquellen verhandeln die führenden Prognosemarktunternehmen Polymarket und Kalshi derzeit mit potenziellen Investoren über eine neue Finanzierungsrunde, wobei die Bewertung auf etwa 20 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Im Vergleich dazu lag die Bewertung beider Unternehmen Ende 2025 bei etwa der Hälfte des aktuellen Werts, was auf eine deutliche Wachstumsrate der Branchenbewertung hinweist.
Derzeit betreibt Kalshi bereits in den USA und bietet Prognoseverträge zu Wirtschaft, Politik und Sport an. Polymarket plant, im Jahr 2026 eine lokale Version für den US-Markt zu starten. Zudem konkurrieren beide Unternehmen über soziale Medien und Campus-Promotions, um jüngere Nutzergruppen zu gewinnen und die Nutzerbasis der Prognosemärkte weiter auszubauen.