Gate News Nachrichten, 16. März: Seit Jahresbeginn haben 27 Softwareunternehmen in ihren Börsenanmeldungen AI-Agenten als Wettbewerbsrisiko aufgeführt, im Vergleich zu nur 7 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch die Führungskräfte dieser Unternehmen relativierten diese Bedrohung auf den Telefonkonferenzen zur Quartalsberichterstattung meist deutlich, was einen klaren Gegensatz zu den Formulierungen in den Anmeldedokumenten und öffentlichen Äußerungen darstellt.
Das Design-Tool Figma schrieb in seiner letzten 10-K, dass agentic AI „die Art und Weise, wie Menschen auf digitale Produkte zugreifen und diese nutzen, verändern könnte, wodurch die Abhängigkeit von traditionellen Softwareanwendungen verringert wird.“ Am selben Tag sagte CEO Dylan Field bei der Quartalskonferenz jedoch, „Menschen werden weiterhin Software verwenden, und Agenten auch“, und fügte hinzu: „Wenn Sie jetzt bereit sind, wichtige Aufgaben an einen Agenten zu übergeben, der ohne Aufsicht arbeitet, sind Sie sehr mutig.“ Derzeit liegt die Figma-Aktie unter dem IPO-Preis des letzten Jahres.
Das Kundenbeziehungsmanagement-Tool HubSpot erwähnte in seinem Jahresbericht im Februar direkt, dass Kunden ihre eigenen CRM-Tools mit KI erstellen können, und nannte sogar „Vibe Coding“ (natürliche Sprachprogrammierung) als potenzielle Alternative. Der Aktienkurs des Unternehmens ist in den letzten sechs Monaten um fast die Hälfte gefallen. Das HR-Management-Tool Workday gab Anfang März in seiner 10-K bekannt, dass das Unternehmen bei der „Aufrechterhaltung der Marktdifferenzierung“ möglicherweise vor Herausforderungen steht, und warnte, dass sein neu eingeführtes Flex Credits (ein Abrechnungsmodell basierend auf Agenten-Nutzung) „auf Kundenwiderstand stoßen könnte.“ Der frühere CEO Carl Eschenbach sagte im Januar noch, „AI ist für uns ein Rückenwind, definitiv kein Gegenwind“, ist aber im letzten Monat zurückgetreten.
Auch Adobe schrieb in seinem Jahresbericht im Januar, dass es „zunehmend intensiven Wettbewerb durch Unternehmen gibt, die generative und agentic AI-Lösungen anbieten“, doch der bald scheidende CEO Shantanu Narayen sagte letzte Woche, dass die Produkte des Unternehmens „einzigartig gestaltet sind, um den Anforderungen der AI-Agenten-Ära in Unternehmen gerecht zu werden.“ Adobe-Aktien sind in diesem Jahr bereits um 28 % gefallen.
Diese Panik wird von Investoren als „SaaSpocalypse“ bezeichnet. Nach der Veröffentlichung des neuen Claude-Agenten-Tools von Anthropic im Februar verlor der Softwaresektor innerhalb weniger Tage etwa 850 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung. Die SEC verlangt seit 2005 von börsennotierten Unternehmen, in ihren Anmeldedokumenten wesentliche Risikofaktoren offenzulegen. Dieses System ermöglicht es dem Management objektiv, optimistischere Prognosen abzugeben, während die Anmeldedokumente eine Risikoaufklärungspflicht erfüllen.