Laut einem Bericht von Bolt zur Gig-Ökonomie, der in Partnerschaft mit dem Marktforschungsunternehmen Ipsos erstellt wurde, werden mehr als 80% der Fahrdienste in Südafrika mit Bargeld abgewickelt. Die Erkenntnis verdeutlicht einen starken Kontrast zu Nigeria, wo über 85% der Fahrten über bargeldlose Kanäle beglichen werden, was breitere strukturelle Unterschiede widerspiegelt, wie die Gig-Ökonomie in den beiden Märkten funktioniert.
Die Gig-Ökonomie in Südafrika hat einen Wert von 5,03 Milliarden $ und umfasst zwischen 1,8 Millionen und 2 Millionen Teilnehmende; darin entfallen laut dem Bolt-Ipsos-Bericht jeweils 29% der Aktivität auf Fahrdienste und E-Commerce. In Nigeria ist der Markt größer: 5,17 Milliarden $ unterstützen etwa 3 Millionen Beschäftigte, wobei Fahrdienste 24% der Gig-Aktivität ausmachen und E-Commerce mit 38% führt.
Die hohe Bedeutung von Bargeld bei Fahrdiensten in Südafrika spiegelt breitere Zahlungsgewohnheiten im Land wider. Laut dem Payments Study Report der South African Reserve Bank entfallen nach wie vor 56% aller Verbrauchstransaktionen nach Volumen auf Bargeld. Zwar nehmen digitale Zahlungen über Karten, Mobile Wallets und Sofortzahlungssysteme wie PayShap zu, doch Bargeld ist weiterhin tief verwurzelt – insbesondere in informellen und einkommensschwachen Segmenten. Laut dem Bericht „State of Consumer Payments in South Africa“ von 2025 des Fintech-Unternehmens Stitch verwenden jedoch mehr als 90% der Befragten im vergangenen Jahr Zahlungsmethoden zusätzlich zu traditionellem Bargeld und Karten. Trotz dieser breiteren Veränderung haben sich digitale Zahlungen nicht vollständig auf Fahrdienste ausgedehnt.
In Nigeria haben die Plattformen laut der nigerianischen Version des Bolt-Ipsos-Berichts ihre Fahrpreisstrukturen überarbeitet, nachdem im Mai 2023 die Kraftstoffsubvention abgeschafft worden war, und den Fahrern einen schnelleren Zugang zu ihren Einnahmen ermöglicht. Diese Änderungen waren Teil einer breiteren Entwicklung hin zu bargeldlosen Fahrdiensten im Land. In Nigeria arbeiten Fahrdienstplattformen mit Fintechs zusammen, um Mikrodarlehen und Finanzierungslösungen für Fahrzeuge anzubieten und so den Zugang der Fahrer zu formellem Bankwesen sowie digitalen Kreditprodukten zu erweitern. Bolt ging eine Partnerschaft mit Advancly ein, um In-App-Mikrodarlehen bereitzustellen.
In Südafrika ist es zwar so, dass die South African Reserve Bank 2024 eine Roadmap für digitale Zahlungen veröffentlicht hat, doch Fahrdienste sind weiterhin stark vom Bargeld abhängig. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass Fintech-Zusammenarbeiten mit lokalen Banken beginnen, den Zugang zu Sofortüberweisungen, Mikrodarlehen und Versicherungen auszubauen.
Der Bolt-Ipsos-Bericht befragte 250 Teilnehmende in Südafrika aus den Bereichen Fahrdienste, E-Commerce, freiberufliche Tätigkeit, Remote Work und Micro-Task-Plattformen. Die Umfrage ergab, dass 70% Fahrdienste nutzen, um andere Einnahmen zu ergänzen, während 30% darauf angewiesen sind, da es ihre wichtigste Einnahmequelle ist. Mehr als die Hälfte verdient 50% oder weniger ihres gesamten Einkommens über die Plattform.
Obwohl die meisten es als ergänzende Einnahmequelle nutzen, trägt der Fahrdienst zu besseren Lebensstandards bei. Über 90% gaben an, dass sich ihr Lebensstandard verbessert habe, seitdem sie der Plattform beigetreten sind. Die Einnahmen werden häufig für das Notwendigste eingesetzt, darunter Essen, Miete, Transport und Bildung, während 32% der Befragten finanzielle Unabhängigkeit als den am meisten geschätzten Nutzen nannten.
„Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld in Südafrika geht es bei Fahrdiensten nicht mehr nur um Mobilität. Es geht um Chancen“, sagte Simo Kalajdzic, Senior Operations Manager bei Bolt. „Viele Fahrer nutzen Plattformen wie Bolt, um Einkommensströme aufzubauen, ihre Haushalte zu unterstützen und die Kontrolle über ihre finanziellen Zukunftspläne zu übernehmen. Was wir sehen, ist der Aufstieg des Entrepreneurship im Alltag, bei dem Menschen flexible, selbstbestimmte Lebensgrundlagen in ihren eigenen Rahmenbedingungen schaffen.“
Der Sektor bleibt in beiden Märkten stark männerdominiert. In Südafrika sind laut dem Bolt-Ipsos-Bericht 92% der Fahrdienst-Teilnehmenden Männer und 8% Frauen. In Nigeria entfallen 96% auf Männer und 4% auf Frauen. In Nigeria ist die Mehrheit der Fahrer seit mehr als einem Jahr auf der Plattform aktiv, was auf eine anhaltende Teilnahme hindeutet.
Auf regulatorischer Ebene hat das National Land Transport Amendment Act von 2023 in Südafrika Fahrdienstbetreiber erstmals formell als Teil des öffentlichen Verkehrssystems anerkannt. Das Gesetz führte Lizenzanforderungen ein, Sicherheitsfunktionen wie Panikknöpfe sowie standardisierte Fahrpreise – und stellte damit einen Schritt hin zu besserem Schutz für die Beschäftigten dar.
Neben der Regulierung erkunden die Plattformen auch neue Wege, um die Betriebskosten für Fahrer zu senken. Im Jahr 2025 hat Uber in Südafrika seine erste Flotte mit Elektrofahrzeugen auf den Weg gebracht.