Polymarket listet Kernwaffen-Vorhersagevertrag, der 22 % Wahrscheinlichkeit für Kontroversen auslöste, mit einem Handelsvolumen von über 2 Millionen US-Dollar. Die Plattform nahm den Vertrag offline und steht unter regulatorischem Druck.
Der dezentralisierte Vorhersagemarkt-Gigant Polymarket befindet sich derzeit im Zentrum eines öffentlichen Aufschreis, nachdem die Plattform Nutzern erlaubt hatte, auf eine „Explosion von Kernwaffen in diesem Jahr“ zu wetten. Dieser sogenannte „Kernwaffen-Detonation bei…?“ (Nuclear weapon detonation by…?) Vorhersagevertrag zog im Kontext der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran große Spekulationsgelder an.
Archivdaten zeigen, dass dieser Markt vor seiner Schließung ein Handelsvolumen von über 838.000 US-Dollar angesammelt hatte. Wenn man frühere ähnliche Verträge aus anderen Jahren einbezieht, überstieg das Gesamtvolumen 2 Millionen US-Dollar. Angesichts der massiven öffentlichen Empörung und moralischer Bedenken hat Polymarket am 4. März den Markt eilig entfernt und als „archiviert“ markiert, ohne eine offizielle Erklärung abzugeben.
Der Auslöser für den Skandal war ein Beitrag auf der Social-Media-Plattform X, in dem stand, dass die Vertragsdaten eine Wahrscheinlichkeit von 22 % für eine Kernwaffenexplosion bis Ende dieses Jahres zeigten. Diese Information löste sofort Kritik aus, da Plattformen angeblich die menschliche Existenzkrise für kommerzielle Spekulationen ausnutzen. Der Markt umfasste mehrere Unterverträge mit unterschiedlichen Enddaten, darunter Prognosen für den 31. März 2026, den 30. Juni 2026 und vor 2027. Befürworter argumentieren, dass dies eine genauere Wahrscheinlichkeitsabschätzung als traditionelle Informationsquellen bieten könne. Doch wenn es um so kontroverse geopolitische Ereignisse wie die Zerstörung durch militärische Konflikte geht, berührt dieses Preissystem offensichtlich gesellschaftliche Ethikgrenzen.
Bildquelle: X/@polymarket Polymarket veröffentlichte auf X, dass die Vertragsdaten eine 22 % Wahrscheinlichkeit für eine Kernwaffenexplosion bis Ende des Jahres zeigten
Der Marktexperte Dustin Gouker äußerte, dass es äußerst unangemessen sei, auf den Einsatz von Kernwaffen in Konflikten abzustimmen. Er betonte, dass, obwohl das Marktmodell eine minimale Wahrscheinlichkeitsabschätzung bieten könne, dies die negativen gesellschaftlichen Folgen der Spekulation auf solch katastrophale Ereignisse bei weitem nicht aufwiegen könne. Zudem könne bei geringer Liquidität im Markt eine falsche Signale ausgesendet werden, die die öffentliche Einschätzung der nationalen Sicherheit verzerren. Die Kommerzialisierung hochkontroverser geopolitischer Ereignisse wie Kernwaffenangriffe überschreitet moralische Grenzen.
Der bekannte Medienpersönlichkeit David Sirota kritisierte auf X öffentlich Polymarket, weil es einen Markt geschaffen habe, der Kernwaffen-Events monetarisiert, und bezweifelte, dass diese Wetten nicht von Entscheidungsträgern innerhalb der Regierung stammen könnten. Dieser Kriegsspielmarkt offenbart erhebliche Interessenkonflikte, ist moralisch bedenklich und könnte nationale Sicherheitsrisiken erhöhen. Wenn Entscheidungsträger durch Anpassung militärischer Strategien die Vorhersagemärkte beeinflussen und daraus Profit schlagen, verliert der Markt seine Neutralität und wird zu einem Ort für Insiderhandel. Die Ablehnung, aus nationalem Profit heraus zu spekulieren, war die Hauptmotivation für Polymarket, den Vertrag zu entfernen und zu zensieren.
Bildquelle: X/@davidsirota Der bekannte Medienmensch David Sirota kritisierte, dass Polymarket einen Markt geschaffen habe, der Kernwaffen-Events monetarisiert, und bezweifelte, dass diese Wetten nicht von Entscheidungsträgern innerhalb der Regierung stammen könnten
Neben moralischen Kontroversen häufen sich bei Polymarket auch Berichte über mutmaßlichen Insiderhandel.
Die Blockchain-Analysefirma Bubblemaps deckte auf, dass vor den US- und israelischen Luftangriffen auf Iran am 28. Februar mehrere neu erstellte Krypto-Wallets präzise auf den Angriff gesetzt hatten, was kollektive Gewinne von bis zu 1,2 Millionen US-Dollar ergab. Die Zeitpunkte der Wallet-Operationen lassen auf den Zugriff auf nicht-öffentliche Militärinformationen schließen.
Ähnliche Fälle sind keine Seltenheit: Im Januar wurde ein anonymer Trader vor der Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch präzise Vorhersagen mit über 400.000 US-Dollar Gewinn bekannt. Kürzlich verklagten israelische Behörden zwei Verdächtige, die angeblich militärische Geheimnisse genutzt haben sollen, um auf Polymarket Gewinne zu erzielen.
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Diese Vorfälle alarmieren Regulierungsbehörden, da Vorhersagemärkte möglicherweise als Kanäle für die Weitergabe von Staatsgeheimnissen genutzt werden könnten. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit das beliebteste Thema auf Polymarket, mit einem Handelsvolumen von bis zu 529 Millionen US-Dollar bei Verträgen über einen möglichen Angriff der USA auf den Iran. Wenn Milliarden an Kapital auf geopolitische Ergebnisse gesetzt werden, führt Informationsasymmetrie dazu, dass gewöhnliche Investoren zu Profiteuren von Insiderwissen werden. Dieses Phänomen bedroht das Image von Vorhersagemärkten als legitime Prognoseinstrumente und macht sie stattdessen zu Plattformen für Arbitrage innerhalb enger Kreise.
Mit wachsendem Einfluss der Vorhersagemärkte beschleunigen Regulierungsbehörden die Gesetzgebung. Der Vorsitzende der US Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Michael Selig, kündigte kürzlich an, dass die Behörde klare Richtlinien für Vorhersagemärkte veröffentlichen werde, um bundesweit einheitliche Standards zu schaffen. Die CFTC hat dem Weißen Haus einen Vorschlag für neue Regelungen vorgelegt, die verbieten sollen, dass regulierte Börsen Verträge zu Themen wie Krieg, Terrorismus oder Attentaten listen, die gegen das öffentliche Interesse verstoßen. Gleichzeitig haben mehrere demokratische Senatoren, darunter Adam Schiff, Briefe an die CFTC geschickt, um Maßnahmen gegen Vorhersagemärkte zu fordern, die politische Gewalt und Todesfälle betreffen.
Auf der anderen Seite steht Kalshi, ein Konkurrent von Polymarket, der nach dem Tod des iranischen Oberhaupts Khamenei eine sogenannte „Death Carveout“ eingeführt hat, die vorsieht, dass bei natürlichem Tod des Zielobjekts der Vertrag zum letzten Kurs abgewickelt wird, anstatt den vollen Betrag auszuzahlen.
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Diese Maßnahme führte zu Empörung bei Investoren, was Kalshi dazu zwang, 2,2 Millionen US-Dollar an Nutzerentschädigungen zu zahlen. Mit der zunehmend freundlichen Haltung der Trump-Administration gegenüber Kryptowährungen hat Polymarket zwar vorübergehend die bundesweiten Untersuchungen abwenden können, doch angesichts kommender CFTC-Regelungen und lokaler Rechtsstreitigkeiten wird die Balance zwischen Meinungsfreiheit, Informationswert und rechtlichen Grenzen im Bereich der Vorhersagemärkte eine der wichtigsten Herausforderungen der Blockchain-Branche im Jahr 2026 sein.
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