
Die US-amerikanische National Football League (NFL) hat formelle Schreiben an Prognosemarkt-Plattformen wie Kalshi und Polymarket gesendet und verlangt, die Bereitstellung von Verträgen zu stoppen, die mit Fußballspielen im Zusammenhang stehen, die leicht manipulierbar oder deren Ergebnisse im Voraus feststehen können. Dies wurde nach Beratungen mit der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in die Wege geleitet. CFTC-Vorsitzender Michael Selig erklärte, dass er bei der Bewertung, welche Verträge anfällig für Manipulation seien, die Meinungen der jeweiligen Sportligen respektieren werde.
In dem Schreiben betonte der Executive Vice President der NFL, Jeff Miller, dass der Zusammenschluss gegen Vertragsarten ist, bei denen Personen mit Kenntnis interner Informationen die Ergebnisse im Voraus wissen können – oder sogar durch eigenes Handeln direkt Einfluss nehmen können. Laut einem Bericht von ESPN umfassen die betreffenden Verträge die folgenden Kategorien:
Kommentaratoren-Aussagen-Verträge: Aussagen von Ansagern in einem Spiel mit bestimmten Wörtern oder Formulierungen
Spieler-Vertragsverträge: Entscheidungen über den Wechsel oder die Verpflichtung bestimmter Spieler
Trainer-Entlassungs-Verträge: Zeit und Bedingungen, unter denen ein bestimmter Trainer entlassen wird
Vertragsverhältnisse bei Verletzungen auf dem Feld: Verletzungszustand und Schweregrad der Spieler während des Spiels
Das gemeinsame Merkmal der oben genannten Verträge besteht darin, dass ihnen die Zufallsgarantie fehlt, die einem endgültigen Spielstand innewohnt. Ihr Ausgang kann von Spielern, dem Trainerstab oder dem Management der Teams im Voraus bekannt sein und sogar aktiv herbeigeführt werden. Das bildet die grundlegende Strukturbedingung für „Insiderhandel“ im Sinne der Definition traditioneller Finanzmärkte.
(Quelle: X)
Seligs Äußerung hat eine über den konkreten Fall hinausgehende regulatorische Bedeutung. Er erklärte, „dass die Ligen völlig in der Lage sind, diese Entscheidungen zu treffen“, was bedeutet, dass professionelle Sportorganisationen wie die NFL de facto einen informellen Einfluss auf die Notierung der betreffenden Verträge erhalten.
Unter der Führung von Selig arbeitet die CFTC daran, aktiv ihre „exklusive Zuständigkeit“ für Prognosemärkte festzulegen, um zu versuchen, die derzeit zersplitterte zwischenstaatliche Regulierung auf Bundesebene zu vereinheitlichen. Allerdings erheben in den USA weiterhin mehrere staatliche Glücksspielaufsichtsbehörden Klagen gegen Kalshi und Polymarket mit der Begründung „Glücksspielplattform“. Die Spannung zwischen der bundesstaatlichen Regulierungsbehauptung und dem Wettbewerb um zwischenstaatliche Zuständigkeit ist bislang nicht gelöst.
Auf gesetzgeberischer Ebene bringen US-Abgeordnete mehrere Gesetzentwürfe ein, um regulatorische Lücken im Prognosemarkt zu schließen: Ein Gesetzentwurf zielt auf die Einführung eines Anti-Insiderhandel-Mechanismus für „äußerst ungewöhnliche Wetten“, die in Verträgen im Zusammenhang mit Iran auftreten; ein weiterer Gesetzentwurf plant, jeglichen Handel von US-Präsidenten und Mitgliedern des US-Kongresses auf Prognosemärkten zu verbieten.
Besonders hervorzuheben ist, dass es bei der Behandlung von Prognosemärkten seitens der verschiedenen professionellen Sportligen deutliche Unterschiede in der Strategie gibt. Die NFL wählt eine Konfrontationslinie und fordert direkt, die betreffenden Verträge vom Markt zu nehmen; während die Major League Baseball (MLB) in den USA den Kooperationsweg einschlägt, indem sie mit Polymarket eine Vereinbarung zum Informationsaustausch unterzeichnet hat und zudem mit der CFTC ein Memorandum of Understanding (MoU) schließt, um den „Integritäts“-Rahmen zu wahren.
Diese Spaltung spiegelt zwei völlig unterschiedliche regulatorische Logiken wider, mit denen professionelle Sportorganisationen Prognosemarktwachstum begegnen: entweder durch administrativen Druck das Listing nachteiliger Verträge zu verhindern – oder über Kooperationsmechanismen eine laufende Überwachungsfähigkeit aufzubauen, um verdächtige Transaktionen in Echtzeit zu erkennen.
Verletzungszustände, Ereignisse rund um Spielerwechsel und Entlassungen von Trainern können von denjenigen, die interne Informationen haben, im Voraus bekannt sein und sogar aktiv beeinflusst werden; es fehlt die Zufallsgarantie, die einem endgültigen Spielstand innewohnt. Wer Insiderinformationen besitzt, kann auf diesen Verträgen im Voraus Positionen aufbauen und Gewinne erzielen – das stellt ein „Insiderhandels“-Verhalten im Sinne der Definition traditioneller Finanzmärkte dar. Genau das ist der Kernbeleg, mit dem die NFL verlangt, dass Prognosemarkt-Plattformen solche Verträge einstellen.
Die Äußerung der CFTC verleiht den professionellen Sportligen tatsächlich einen informellen „Veto“-Einfluss auf bestimmte Verträge in Prognosemärkten. Diese regulatorische Position könnte dazu führen, dass mehr Ligen der NFL folgen und ähnliche Anforderungen stellen. Dadurch könnte sich eine informelle Vorab-Mechanik zur Vertragsprüfung herausbilden, die von professionellen Sportorganisationen dominiert wird, was systematische Auswirkungen auf die Produktlinie sportbezogener Vertragsangebote in Prognosemärkten hätte.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts hatten beide Plattformen noch keine öffentlich zugängliche Antwort gegeben. Da MLB und Polymarket bereits eine Kooperationsbeziehung zum Informationsaustausch aufgebaut haben, könnte sich für Prognosemarkt-Plattformen die Wahl stellen: Entweder die betreffenden Verträge proaktiv vom Markt nehmen, um den Anliegen der Liga zu entsprechen, oder – nach dem MLB-Modell – Vereinbarungen nutzen, um das Vertrauen der Liga zu gewinnen, statt in Konfrontation zu gehen. Die klare Haltung der CFTC macht den regulatorischen Druck für die erste Option deutlich unmittelbarer.