Laut einem Bericht von Reuters haben die Leiter der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlements, BIS) diese Woche erneut zu Folgendem aufgerufen: Eine weltweite regulatorische Abstimmung für Stablecoins sei „entscheidend“, um zu verhindern, dass sich die Märkte stark auseinanderentwickeln. Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England und zugleich Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB), ergänzte, dass die Fortschritte bei internationalen Stablecoin-Standards im vergangenen Jahr „deutlich verlangsamt“ worden seien und sich die Lücke bei der Abstimmung zwischen den Aufsichtsstellen ausweitet.
Drei zentrale Bedenken der BIS in Bezug auf Stablecoins
In einem jüngsten Bericht führt die BIS drei Hauptrisiken auf, die Stablecoins derzeit mit sich bringen: Erstens: die zu schnelle Geschwindigkeit grenzüberschreitender Ströme, sodass die Regulierung durch keine einzelne Rechtsordnung allein die Lage eigenständig bewältigen kann; zweitens: die starke Konzentration von Stablecoins mit einer globalen Marktkapitalisierung von 31,5 Milliarden US-Dollar – Tether und Circle machen zusammen 85 % aus; diese Konzentration auf einen einzigen Schwerpunkt ist an sich bereits ein systemisches Risiko; drittens: die strukturellen Merkmale dieser beiden wichtigsten Stablecoins „liegen näher an Wertpapieren als an Währungen“ – ihre Reservetitel seien überwiegend kurzfristige Staatsanleihen, Commercial Paper und Cash sowie andere zinstragende Vermögenswerte, wobei die Zinsen beim Emittenten verbleiben und nicht an die Inhaber ausgeschüttet werden.
Das BIS-Vokabular wiegt schwer – wenn der Begriff „Wertpapiere“ von Aufsichtsbehörden in mehreren Ländern offiziell als Grundlage für die Kategorisierung übernommen wird, stünden Tether und Circle nicht nur einer Finanzaufsicht gegenüber, sondern auch einem ganzen Bündel an Wertpapierrechtsvorschriften, einschließlich Wertpapieremission, Angemessenheit für Anleger und Offenlegungspflichten. Dieses Einstufungsrisiko wurde zuvor bereits auf dem Markt diskutiert, nachdem Circle einem von ZachXBT aufgedeckten Fall mit Compliance-Lücken im Umfang von 420 Millionen US-Dollar ausgesetzt war; mit der Stellungnahme der BIS wird es zu einer offiziellen Position internationaler Aufsichtsbehörden.
Technologie-Neutralitätsprinzip und fairer Wettbewerb
Die BIS betont, dass das Prinzip der „Technologie-Neutralität“ (technology neutrality) nicht wegen der innovativen Natur von Stablecoins gelockert werden darf – die Zahlungs- und Wertaufbewahrungsfunktionen, die Stablecoins bieten, seien in ihrem wirtschaftlichen Wesen gleichwertig mit traditionellen Bankeinlagen oder E-Geld, sodass Aufsichtsstandards nicht unterschiedlich behandelt werden sollten, nur weil die zugrunde liegende Technologie eine Blockchain ist. Wenn dieses Prinzip von den Ländern übernommen wird, würde der derzeitige Compliance-Kosten-Vorteil von Stablecoins gegenüber Bankdienstleistungen geschrumpft.
Im Vergleich zur Region Asien-Pazifik: Japan hat Kryptoassets bereits in das Financial Instruments and Exchange Act aufgenommen, Hongkong treibt einen grenzüberschreitenden Zahlungsrahmen für Renminbi-Stablecoins voran, und Taiwan schreitet über den Gesetzesentwurf zum Virtual Asset Service Act voran, um ein VASP-Lizenzierungssystem einzuführen. Wenn diese Regionen mit der BIS abgestimmt und konsistent vorgehen, entsteht ein wirksameres Netzwerk für die grenzüberschreitende Stablecoin-Regulierung.
Der von der BIS vorgeschlagene Alternativansatz: einheitliches Hauptbuch
Die BIS ist nicht einfach nur gegen die Tokenisierung von Währungen, sondern schlägt eine alternative Architektur vor – das „Unified Ledger“ (einheitliches Hauptbuch). Dieses Konzept integriert Zentralbankgeld (CBDC), Einlagen von Geschäftsbanken (tokenisierte Einlagen) und Staatsanleihen in einer einzigen technologischen Plattform. Es beruft sich auf die klassischen Grundsätze von „solidem Geld“ (sound money) und will eine nächste Generation tokenisierter Finanzsysteme aufbauen. Der Kernunterschied zu den derzeitigen Modellen von Tether und Circle liegt darin, dass die Initiative von der Zentralbank oder einer staatlich autorisierten Stelle ausgeht, nicht vom privaten Sektor.
Die BIS fordert die Zentralbanken und öffentlichen Einrichtungen der Länder dazu auf, „für diese nächste Phase den Weg zu ebnen“ – das bedeutet, dass der digitale Pfad der internationalen Währungsordnung möglicherweise gerade in Richtung „zentralbankgesteuert“ statt „stablecoins aus dem privaten Sektor“ zusammenläuft. Für bestehende Anbieter wie Tether und Circle ist das eine strukturelle Herausforderung für ihre langfristigen Geschäftsmodelle.
Praktische Auswirkungen auf Taiwan und den asiatisch-pazifischen Markt
Für taiwanesische Anbieter von virtuellen Vermögenswerten und Anleger könnten sich drei mögliche Auswirkungen aus der BIS-Stellungnahme ergeben: Erstens: die Richtung, in der die taiwanesische Finanzaufsicht (Jin-Guan-Wei) VASP-Regelungen festlegt, könnte näher an BIS- und FSB-Standards liegen als an einer alleinigen Ausrichtung auf Vorlagen aus den USA oder aus Japan; zweitens: wenn lokale VASP-Anbieter (z. B. BitoPro, MAX, HOYA BIT, XREX, TWEX) in Zukunft Stablecoin-bezogene Dienstleistungen anbieten, könnten die Compliance-Anforderungen eher an Standards aus dem Wertpapierbereich angelehnt werden; drittens: bei grenzüberschreitenden Krypto-Geschäften, die USDT und USDC als wichtigste Abwicklungsinstrumente nutzen, wird die regulatorische Ungewissheit weiter erhöht.
Die entscheidenden Punkte, die als Nächstes zu beobachten sind: Ob das FSB in der zweiten Jahreshälfte 2026 konkrete grenzüberschreitende Stablecoin-Regulierungsleitlinien veröffentlichen kann, ob die BIS und wichtige Zentralbanken (Fed, EZB, BoJ, PBoC, FSC) in eine Phase von Abstimmungsgesprächen eintreten und ob Tether und Circle proaktiv Vorschläge für Compliance-Upgrades unterbreiten. Sehr wahrscheinlich wird 2026 zur Wegscheide, an der Stablecoins von „technologischer Innovation“ in „wertpapierbasierte Regulierung“ übergehen.
Dieser Artikel, in dem die BIS zur weltweiten Abstimmung der Stablecoin-Regulierung aufruft: Warnung, dass Tether und Circle mit 85 % „wertpapierähnliche Merkmale“ aufweisen – Erstmals erschienen auf Kettennews ABMedia.
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